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Kombi - Bau bietet eine großartige Chance

Ein gelungenes Fest zur Einweihung des neuen Gebäudes - Staatssekretärin Serap Güler zeigte sich begeistert von der Kombination Flüchtlingsunterkunft und Gesamtschule

Nach anderthalb Jahren Bauzeit ist es endlich soweit: Der Kombibau Flüchtlingsunterkunft/Gesamtschule ist bezugsfertig und wurde am 4. Mai mit einem Festakt seiner Bestimmung übergeben. „Es erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude, Sie in der Gemeinde Weilerswist zur Einweihung unseres Kombibaus zu begrüßen“, sagte Bürgermeisterin Anna-Katharina Horst zu Beginn der Feierstunde. Ganz besonders freute sie sich über Serap Güler, Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW, die der Einladung zur Einweihung dieses wohl einmaligen Projektes gerne gefolgt war.

„Es ist schon etwas Besonderes, wenn geflüchtete Menschen mit Schülerinnen und Schülern unter einem Dach vereint sind. Im Kombi-Haus treffen sich verschiedene Kulturen und Sprachen. Damit ist es eine wunderbare Begegnungsstätte, die ganz nebenbei einen wichtigen interkulturellen Austausch ermöglicht. Diese Idee kann ein gutes Beispiel für andere Kommunen sein“, erklärte Serap Güler.

Zur Einweihungsfeier begrüßte Bürgermeisterin Anna-Katharina Horst (v.l.) die Staatssekretärin im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration NRW, Serap Güler, den CDU - Landtagsabgeordneten Klaus Voussem und den Bundestagsabgeordneten Detlef Seif. Manfred Lang führte souverän durch das Festprogramm.

Zudem ginge die Gemeinde Weilerswist geschickt mit dem Leerstand um, der entsteht, weil weniger Menschen zu uns fliehen. „Indem Sie den erhöhten Raumbedarf der benachbarten Schule nutzen, schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe.“ Dieses besondere Gebäude biete zudem eine großartige Chance: „Menschen mit Fluchtgeschichte leben hier nicht ab vom Schuss und beengt in Zelten, sondern mittendrin. Sie können sich selbst als Teil dieser Gesellschaft wahrnehmen“, so die Staatssekretärin in ihrem Grußwort.

Neben einigen Vertretern des Gemeinderates Weilerswist und Mitarbeitern der Verwaltung begrüßte Bürgermeisterin Horst als Ehrengäste Detlef Seif, MdL Klaus Voussem, Sigrun Köhle als Abteilungsleiterin der Bezirksregierung Köln für den Bereich öffentliche Gesundheit, Sozialwesen und Krankenhausförderung sowie Maria Dorn, schulfachliche Dezernentin bei der Bezirksregierung. „Sie, Frau Dorn, hatten mir schon beim Schulfest der Gesamtschule im vergangenen Jahr angekündigt, dass Sie unser Projekt gerne sehen möchten, wenn es fertiggestellt ist. Gleich haben Sie die Gelegenheit, sich hier genauestens umzusehen.“

Das Kommunalen Bildungs- und Integrationszentrum des Kreis Euskirchen vertrat Sabine Sistig bei der Feier. Erfreut war die Bürgermeisterin aber auch über das Erscheinen vieler Vertreter der am Bau beteiligten Firmen und last but not least über Mitglieder der Flüchtlingsinitiative Weilerswist, die sich bei diesem Projekt in die Planung und Ausstattung des Baus eingebracht, sowie die Verwaltung bei der anstehenden Belegung der Appartements beraten haben.

Die Zusammenarbeit dieses wohl einmaligen Projektes erforderte die Zusammenarbeit vieler Köpfe und Hände aus Rat und Verwaltung, von kreativen Planern, der Umsetzung durch die Handwerker vor Ort und durch die ehrenamtlich Tätigen. Wichtig war natürlich auch die Finanzierung des Projekts. Hier stellten die NRW Bank, bei der Einweihungsfeier vertreten durch Lukas Michel, und die KfW Kredite in Höhe von insgesamt 4 Millionen Euro zur Verfügung.

Eröffnet wurde die Einweihungsfeier von Schülerinnen und Schülern mit dem Schullied der Gesamtschule „Auf unserm Weg“

Als im Jahr 2015 mussten viele geflüchtete Menschen von den Kommunen in Deutschland aufgenommen wurden, stand auch die Gemeinde Weilerswist vor der Herausforderung, ihnen adäquate Unterbringungen zur Verfügung zu stellen. Die Mitglieder des Rates waren sich einig, dass solche wichtigen Fragen in einem eigenen Ausschuss diskutiert werden müssen und bildeten den Ausschuss für Flüchtlingshilfe, der sich ab sofort mit der Problematik der Unterbringung und Integration der geflüchteten Menschen befasste. Viele Ansätze zur Unterbringung wurden diskutiert wie der Ankauf und Umbau von Gewerbeimmobilien bis zum Aufstellen von Zelten. Schließlich beschloss der Rat im Dezember 2015 den Neubau einer Unterkunft.

„Ziele von Politik und Verwaltung waren damals und sind auch heute, die bestmögliche Aufenthaltsqualität für die Menschen, die in der Gemeinde Weilerswist Schutz und Hilfe vor Krieg, Gewalt und Perspektivlosigkeit suchen und angesichts der unsicheren globalen Situation eine bauliche Lösung zu finden, die unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit eine Vielzahl anderer Folge-Nutzungsmöglichkeiten bietet“, so Bürgermeisterin Anna-Katharine Horst in ihrer kurzen Ansprache. Und natürlich sollte das Projekt so kostengünstig wie möglich realisiert werden.

Mit dem Architekturbüro Zurawski, das während der Einweihungsfeier von Frank Zurawski und Bauleiterin Sabrina Höver vertreten war, wurden die Pläne für diesen multifunktionalen Bau entwickelt und umgesetzt. Die entstandenen Appartements für maximal vier oder sechs Personen, die in den drei Obergeschossen entstanden sind, sind durch große Fenster hell und freundlich. Jedes Appartement verfügt über ein eigenes Bad mit Dusche und eine Küchenzeile mit Herd und Backofen.

Gäste aus Politik und Verwaltung waren der Einladung zur Einweihung des Kombibaus ebenso gefolgt wie Vertreter der am Bau beteiligten Firmen sowie der Flüchtlingsinitiative Weilerswist

„Ganz wichtig war es uns, die Unterkunft so zu planen, dass trotz der Möglichkeit, hier viele Menschen aufnehmen zu können, ganz viel Konfliktpotenzial aus einer solch großen Unterkunft rausgenommen wird“, erläuterte Architekt Frank Zurawsky bei der Führung der Gäste durch den Neubau. Durch die kleinen Wohneinheiten und die Ausstattung der Appartements mit Küche und Bad konnten Gemeinschaftsküchen und –Sanitärräume vermieden werden. Trotzdem bieten Multifunktionsräume die Möglichkeit zu Begegnungen der Bewohner.

Das gesteckte Ziel zur nachhaltigen Nutzung wurde aber bereits vor Baubeginn konkret. Im Laufe des Jahres 2016 nahm der Flüchtlingsstrom nach Deutschland mehr und mehr ab, der absehbare Bedarf an die Unterbringung von Geflüchteten ging in den Kommunen zurück. Gleichzeitig aber stieg der Raumbedarf der benachbarten Gesamtschule, unter anderem wegen des differenzierten Unterrichtsangebots und der Integrationsarbeit für Kinder der Geflüchteten.

Soo fasste der Gemeinderat im Sommer 2016 den Beschluss, im Erdgeschoss des Neubaus die dringend benötigten Räume für die Gesamtschule einzurichten. Lehrer, Schüler und vor allem die Eltern standen von Anbeginn zu dem Projekt, Geflüchtete und Schüler in einem Gebäude unterzubringen – natürlich räumlich voneinander getrennt, unter anderem durch zwei verschiedene Eingänge. Die Umgestaltung in Klassenräume war aufgrund der multifunktionalen Bausubstanz, bei der so wenig wie nötig tragende Elemente verwendet wurden, unproblematisch.

Somit haben alle Beteiligten mit diesem Kombibau nicht nur ein einzigartiges Projekt seiner Art sondern auch den baulichen Rahmen für die Integration geschaffen. „Jetzt gilt es, Integration in diesem Rahmen zu leben“, so Bürgermeisterin Anna-Katharina Horst zum Abschluss ihrer Begrüßung.

In dem Song „Du & Ich“ arbeiteten Schüler der Gesamtschule mit ihrem Lehrer Michael Kolbe den Besuch einer jungen Frau in ihrer Klasse auf, die auf der Mittelmeerroute geflüchtet war und über ihre Erlebnisse eindrucksvoll berichtet hatte

Manfred Lang, der kurzweilig durch das Festprogramm führte, eröffnete nach dem Schulsong „Du & Ich“, vorgetragen von Schülern der Gesamtschule unter der Leitung von Michael Kolbe, eine Diskussionsrunde mit dem Ersten Beigeordneten René Strotkötter, Schulleiterin Susanne Daams-Steinert und Michael Detscher von der Flüchtlingsinitiative Weilerswist.

Im Anschluss an die Feierstunde hatten die geladenen Gäste Gelegenheit, bei geführten Rundgängen Schulräume und Flüchtlingsunterkunft in Augenschein zu nehmen. Begleitet wurden sie dabei von Architekt Frank Zurawski und Martin Reichwaldt, Fachbereichsleiter Planen und Baue, die vielen Fragen der Gäste mit viel Fachwissen beantworteten.

Ab 16 Uhr strömten viele interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Gemeinde in das Gebäude, um dieses genauer in Augenschein zu nehmen und sich von den Fachleuten vor Ort die Räumlichkeiten und deren Nutzung erklären zu lassen. Sie zeigten sich beeindruckt von dem Projekt und der Nachhaltigkeit, die das Gebäude bietet. Die Mitglieder der Flüchtlingsinitiative hatten bei ihren Schützlingen von der Möglichkeit berichtet, die neue Unterkunft an diesem Tag besichtigen zu können. Und so kamen auch viele in der Gemeinde untergebrachte Geflüchtete, um einen ersten Blick in ihr mögliches neues Zuhause zu werden.

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